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Tipps für einen sonnigen Neustart auf Teneriffa

Viele möchten dort arbeiten, wohin es andere in den Urlaub zieht. Spanien ist eines der beliebtesten Länder, das einen stetigen Strom von Auswanderern anzieht. Doch viele Auswanderer scheitern, weil sie sich nicht gut vorbereiten. Dabei ist der Umzug innerhalb von Europa längst nicht so kompliziert wie anfangs gedacht, mittlerweile fördert die derzeitige Gesetzeslage sogar das Auswandern. Wer das ganze Jahr über gutes Wetter mit einer dauerhaften Sonnengarantie möchte, der ist auf den Kanaren goldrichtig. Während der Süden von Europa im Winter stellenweise sogar Minuswerte bei den Temperaturen hat, wird es auf der Inselgruppe selten richtig kalt und winterlich. Teneriffa ist die Hauptinsel der Kanaren und verdankt das tropische Klima dem Passatwind. Neben den touristischen Gebieten gibt es auf der Insel auch ein reiches Kulturleben und atemberaubende Naturlandschaften.
Strand Las Teresitas

(Foto: Benoît Deniaud)

Die Möglichkeiten

Eine gute Planung ist das A und O für einen gelungenen Neustart auf Teneriffa. Jedes Jahr kommen hier viele auswanderwillige Abenteurer an, um sich eine neue Heimat aufzubauen. Dadurch entsteht eine große Konkurrenz um die vorhandenen Arbeitsplätze, deren Angebot zur Zeit eher mager ausfällt. Ideal sind breitgefächerte Sprachkenntnisse, um sich gegen Mitbewerber durchsetzen zu können. Hier sind besonders Deutsch und Englisch sehr gefragt. Auch ist es wichtig, wenigstens ein paar Brocken Spanisch zu können, denn sonst wird der Neuanfang sehr schwierig. Zwar haben viele kanarische Bürger Englisch in der Schule gelernt, aber wirklich beherrschen tut fast niemand diese Sprache. Speziell bei den Behördengängen und den Vorstellungsgesprächen kann dies zu Schwierigkeiten führen. Wer jedoch eine oder mehrere Sprachen beherrscht wird relativ schnell eine Arbeit in Teneriffa finden. Der Tourismus und damit die Gastronomie sind die bedeutendsten Wirtschaftsfaktoren der Insel.
Sunset Bar

(Foto: Eigene Quelle)

Die Stellensuche

Für EU-Bürger ist die Arbeitsbewilligung schon gegeben. Um schnell eine Arbeitsstelle zu finden ist man gut beraten, wenn man Referenzen von Einheimischen vorweisen kann. Man kann die Jobsuche vor Ort angehen bei Arbeitsvermittlungen oder auch nach vakanten Stellen in online Jobbörsen wie infoempleo.com, infojobs.net oder enbuscade.org suchen. In spanischen Arbeitsverträgen werden meist die gesetzlich geregelten Rahmenbedingungen übernommen. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt demnach 40 Stunden und der Arbeitnehmer hat Anspruch auf 30 Kalendertage(!) bezahlten Urlaub. Zudem gibt es abhängig von der Region etwa 14 Feiertage.
Das Organisatorische: Wohnung und Bewilligungen

Zwar belaufen sich auf Teneriffa die Gehälter im Vergleich zu Deutschland auf nur etwa 70%, im Gegenzug liegen dafür die Steuern und die Lebenshaltungskosten unter denen der meisten EU-Staaten. Die Mieten variieren je nach Beliebtheitsgrad der Region, wer sparen möchte, sollte etwas außerhalb vom Trubel wohnen. Vor Ort gibt es unzählige Immobilienbüros die einem bei der Wohnungssuche behilflich sind. Auf Enalquiler findet man viele Angebote von privaten Vermietern sowie von Agenturen. Es empfiehlt sich vor Ort zu suchen und für die ersten Tage eine Ferienwohnung oder ein Appartment im Voraus zu buchen.

Wenn man in Spanien arbeiten möchte, benötigt man eine Numero de Identidad de Extranjero, kurz NIE. Diese entspricht unserer Sozialversicherungsnummer und gilt in Spanien als Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung. Ausserdem wird sie bei den verschiedensten Institutionen zur Identifikation genutzt. Auch für die Eröffnung eines Kontos und den Erwerb einer Immobilie oder eines Autos ist die NIE Nummer erforderlich. Die Nummer kann bereits vor Abreise bei einem spanischen Konsulat beantragt werden. Der Personalausweis oder der Reisepass muss im Original und in Kopie auf jeweils einer DIN A4 Seite vorliegen. Ebenso ist ein ausgefüllter Antrag für die NIE in spanischer Sprache notwendig. Innerhalb Spaniens kann man die NIE mit Hilfestellung eines Gestors beantragen.

Anaga Gebirge

(Foto: Eigene Quelle)

Selbständigkeit und Autonomo

Durch die weltweite Vernetzung, die inzwischen möglich ist, kann jeder sein eigenes Unternehmen einfach mit auswandern lassen. Ob nun ein virtuelles Büro den Übergang ermöglicht oder ob man sich vor Ort etwas mietet. Es gibt viele Möglichkeiten, die das Auswandern der eigenen Unternehmung fast noch leichter machen, als die Koffer zu packen. Selbstständige müssen in Spanien Beiträge zur Sozialversicherung leisten. Dieser beläuft sich monatlich auf etwa 260 Euro. Da es sehr wenige Arbeitsplätze in Spanien gibt, kommen sehr viele Einwanderer mit dem Wunsch nach einem eigenen Geschäft. Erfreulicherweise ist keine private Krankenversicherung notwendig. Stattdessen wird die Autonomo erhoben, die eine Grundabsicherung für Arztbesuche und notwendige Krankenhausaufenthalte beinhaltet. Die oben erwähnte NIE wird für Selbstständige zu der Numero de Identification Fiscal also der NIF. Das Prinzip ist aber das Gleiche und auch die NIF kann schon vor der Ausreise beantragt werden. Mehr dazu kann hier nachgelesen werden.

Steuerberater und Rechtsbeistand in einer Person – der Gestor

Um die Steueranmeldung und verschiedene organisatorische Dinge für das neue Unternehmen erledigen zu lassen, sollte man einen Gestor beauftragen. Der Gestor ist in Spanien in etwa das Gegenstück zu unserem Steuerberater oder einem Rechtsberater. Der Unternehmenserfolg hängt in der Regel weitgehend von der Einhaltung der jeweiligen Regeln des Landes ab. Daher ist es wichtig, sich derartige professionelle Hilfestellung zu holen, um diese Chance nicht durch eigene Fehler zu vertun.

Niedergelassener Beinahespanier – Residencia beantragen

Nach einer gewissen Zeit kann man eine Residencia beantragen, diese ist eher als eine Art Status zu sehen. Im Grunde ist die Residencia der Unterschied zwischen einem Touristen und einem Ortsansässigen. Um sich in Teneriffa selbständig zu machen, günstigere Konditionen bei vielen Einrichtungen zu erhalten (zum Beispiel einen Rabatt von 50% bei Inlandsflügen) oder sich durch seinen Arbeitgeber krankenversichern zu lassen , ist die Residencia erforderlich. Hier sollte man sich wiederum die Hilfe eines Gestors holen, um bei der Beantragung alle Punkte korrekt zu beachten.
Puerto de la Cruz

(Foto: Pedro Szekely)

Nord oder Süd?

Ob man sich im Norden oder im Süden der Insel niederlassen will kommt ganz darauf an, nach was man sucht. Der Tourismus spielt sich hauptsächlich im Süden der Insel ab, daher ist auch das Angebote an Unterhaltugnsmöglichkeiten und Nachtleben grösser. In diesem Teil der Insel gibt es das beste Wetter, was vor allem viele Wetterflüchtlinge und Wassersportler anzieht. Die Landschaft ist eher karg, fast schon wüstenartig und es fällt kaum Regen. In der Gegend von Costa Adeje, El Medano und Los Gigantes scheint fast immer die Sonne und das blaue Meer lädt auch noch zwischen November und März zum baden ein. Vor allem englische und russische Touristen lieben diesen Teil der Insel.

Der Norden ist weniger touristisch, das kulturelle Angebot grösser und die Region ist zudem authentischer. Hier findet man in den Bergen die Ureinwohner Teneriffas sowie den typisch kanarischen Wein, welcher in den Guachinches verkostet werden kann. Auch liegen die Hauptstadt Santa Cruz und die Universität im Norden der Insel. Die Strände sind hier natürlich belassen und aufgrund des Vulkansands vorwiegend schwarz. In den Wintermonaten liegt der Norden vor allem bei deutschen Rentnern hoch im Kurs.
El Médano

(Foto: SteFou!)
Auf dem Landweg oder doch per Luft?

Auf Teneriffa gibt es zwei Flughäfen. Wer sich für den Süden entscheidet, der fliegt optimalerweise den Flughafen ‘Reina Sofia’ an. Je nach Saison findet man Flüge dorthin zu wahren Spottpreisen. Der zweite Flughafen der Insel ist der kleinere von beiden und befindet sich im Norden, unweit der Hauptstadt Santa Cruz. Das Angebot an Flügen in den Norden ist kleiner und die Flüge oftmals teurer. Daher empfiehlt es sich, das beste Flugangebot zu buchen und nach der Ankunft gegebenenfalls die 1.5 Stunden Autofahrt in den anderen Teil der Insel auf sich zu nehmen. Für die Auswanderung lohnt sich ein Flug mit einer Airline, die überschaubare Gebühren beim Übergepäck anbietet. Ansonsten ist auch der Versand der persönlichen Sachen per Paket oder Container möglich. Wer gerne sein eigenes Auto vor Ort hat, der kann den Landweg nehmen und ab Cadiz mit der Autofähre auf die Insel kommen.
Teide

(Foto: Pedro Szekely)

Das soziale Leben

Nicht nur das milde spanische Klima lockt viele Auswanderer auf die südeuropäische Halbinsel, auch die Mentaliät der Spanier ist bei vielen Aussteigern sehr beliebt. Aufgrund des multikulturellen Ambientes der Insel, können schnell Kontakte geschlossen werden. Die Menschen in Teneriffa, Tinerfeños genannt, sind im Allgemeinen sehr freundlich und hilfsbereit. Eine gute Möglichkeit mit Einheimischen in Kontakt zu kommen ist die Einschreibung in einem heimischen Freizeitklubs. Die Insel bietet dazu genügend Angebote wie Fussball, Volleyball, Yoga, Tanzkurse, Wander- und Theatergruppen. Desweiteren gibt es sogenannte Tandem-Programme, die den Sprachaustausch zwischen Personen mit unterschiedlicher Muttersprache fördern. Selbstversändlich lernt man auch immer wieder Leute im Alltag kennen, zum Beispiel in Supermärkten, Bars und am Strand. Ein wichtiger Faktor bei der Kommunikation und der Integration ist ein offenes Wesen und ein geselliger Charakter, auf diese Weise wird Teneriffa schnell zu einer neuen Heimat.

Der Ruhestand in Spanien

Wer als Rentner komplett nach Teneriffa übersiedelt, muss fortan anstatt in Deutschland in Spanien seine Steuern auf die Rente entrichten. In dem Fall muss die Rente von dem deutschen Rentenversicherer auf ein spanisches Konto ausgezahlt werden lassen. Zu empfehlen ist es, diese Umstellung erst vorzunehmen, wenn man die Residencia für Spanien besitzt. Hat man seine Rentenansprüche in Spanien erworben, bekommt man sowohl als Arbeitnehmer als auch als Selbstständiger dank der Autonomo eine Rente. Wer beides gleichzeitig betrieben hat, bekommt zwei Renten.